Nördlicher Wehrturm in der Ringstraße im Jahre 1956

Die beiden noch heute erhaltenen Wehrtürme in Langendiebach waren Teil der Ortsbefestigung Langendiebachs. Gebaut wurde die Befestigungsmauer, samt den beiden Türmen, etwa in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Für diese Zeitangabe gibt es allerdings keine genauen Nachweise.

Ein Hinweis für die Richtigkeit dieser Angabe könnte sein, dass die meisten Dörfer der früheren Grafschaft Hanau ähnliche Befestigungen mit Mauern und Türmen hatten. So zum Beispiel Hochstadt, Dörnigheim oder Niederrodenbach. Nach diesen Informationen liegt nahe, dass die Ortsbefestigung in Erlensee in der Hanauer Zeit angelegt worden ist, also eben Mitte des 15. Jahrhunderts.

Die Mauer wurde, wie auch andere in dieser Art angelegte Ortsbefestigungen, zum Schutze des Ortes errichtet. Wohl nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Langendiebach bis 1476 Grenzort an der Grenze zu Ysenburg war.

Südlicher Wehrturm in der Turmstraße

Die damalige Funktion der Türme ist jedoch ziemlich sicher. So könnte vom südliche Turm, in der Turmstrasse, aus die vom Bruchköbeler Wald kommende, am Reußerhof vorbeiführende und dann weiterhin Richtung Gelnhausen usw. verlaufende alte Kinzigstrasse überwacht worden sein. Diese Kinzigstrasse war der Vorläufer der heutigen Leipziger Straße, die in späterer Zeit diese alte Kinzigstraße abgelöst hat.

Der Turm an der Ringstraße, also an der nordöstlichen Seite des alten Langendiebach, könnte den Fallbachbereich und die wohl jüngere Straße von Ravolzhausen her und vielleicht auch die damalige Grenze nach Ysenburg überwacht haben.

Interessant ist, dass zumindest einer der beiden Türme, also der Turm in der Ringstrasse, scheinbar rund 30 Meter hinter der Befestigungsmauer gelegen hat. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Mauer später nach „außen“ verlegt worden war. Eine andere Erklärung für den Abstand zur eigentlichen Mauer könnte sein, dass die Türme als Beobachtungstürme älter sind als die Mauer. Auf den Bildern sieht man, dass auf den Turmspitzen Nester waren, die in vielen Jahren einen Nistplatz für Störche boten.

Anlage der gesamten Befestigungsmauer

Nördlicher Wehrturm im Jahre 2010

Neben den beiden Türmen gab es zwei Pforten oder Tore. Ein Tor war wohl in das frühere Langendiebacher Schlößchen integriert und befand sich etwa an der Einmündung der Friedrich-Ebert-Straße in die Bruchköbler- bzw. Ravolzhäuser Straße. Die westlich davon befindliche heutige Gartenmauer könnte vielleicht noch ein Rest der früheren Befestigungsmauer sein.

Ein zweites Tor befand sich nach Traxel in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße an der Einmündung der Ringstraße, dort sollen einst bei Ausschachtungsarbeiten "gewaltige Fundamentmauern" gefunden worden sein. Das deckt sich ungefähr mit der Tatsache, dass sich in manchen Gärten oder Höfen hinter den Häusern auf der östlichen bzw. südlichen Seite der Ringstraße noch heute Reste der Befestigungsmauer befinden.

Das befestigte Langendiebach war recht klein. Es umfasste wohl den Bereich Turmstraße, Enge Gasse, Bruchköbeler Straße, Ravolzhäuser Straße und Ringstraße.

Mittelpunkt war die Kirche. Im Bereich Turmstraße und Enge Gasse konnten wir keine sichtbaren Mauerreste entdecken. Hinter der Engen Gasse verlief auch teilweise der "Fuchsgraben". Inwieweit der Graben in der Dorfbefestigung eine Rolle spielte, ist uns nicht bekannt.