Die Sage der Obermühle

In alter Zeit erzählt und niedergeschrieben von Wilhelm Traxel 1942

Vor undenklich langer Zeit stand am Mühlbach vor dem Oberdorf eine große Mühle. Die Mühle hatte sieben Gänge und wurde vom Volk Obermühle oder Marienmühle genannt.

Hartmann, der Müller, war ein steinreicher aber geiziger Mann mit einem Herzen so hart wie sein Name. Er hatte ein liebliches Töchterlein mit Namen Mechthild die er wie seinen Augapfel hütete. Er ging nie in die Kirche und die Armen und Bettler jagte er mit bösen Worten von seiner Tür fort. Er betrog die Bauern die ihr Korn brachten und mahlte meistens in der Nacht und ohne die Hilfe eines Knechtes.

Da man sich erzählte er wäre mit dem Teufel im Bunde und man hätte schon um Mitternacht den Leibhaftigen auf dem Dach der Mühle reiten sehen, hätte es niemand gewagt im dunkeln auch nur in die Nähe der Mühle zu gehen.

An den Garten der Mühle grenzte der Hof eines verarmten Junkers, der mit einem alten weißhaarigen Knecht alleine dort hauste. Die altersschwachen Mauern dieses Gutshofes drohten einzustürzen und zusammenzufallen. Die schöne Jungfer Mechthild und der Junker liebten sich innig und trafen sich heimlich am Rosenstrauch an einer Lücke in der geborstenen Gartenmauer. Eines Tages überraschte der Müller das heimliche Liebespaar und geriet in fürchterlichen Zorn. Er schmähte den Junker wegen seiner Armut und schwor eher mit seiner Mühle zur Hölle zu fahren als diesem seine Tochter zur Frau zu geben. Als das Paar niedersank und Maria die Gottesmutter um Hilfe und Beistand anflehte, traf den Müller ein schrecklicher Fluch.

Untermühle in Langendiebach im Sommer 2010

Die Jungfrau Maria verwandelte die Liebenden in 2 Birnbäume, der Himmel verfinsterte sich und es war ein schreckliches Brausen in der Luft. Unter Donner und Blitz sah man, wie der Teufel auf dem Mühlrad ritt und dabei größer und größer wurde bis er bis in die Wolken ragte. Er hob die Mühle mit allem was darin war mit einer Hand hoch. Die Macht des Teufels reichte bis an die Mauer des Junkerhofes und als der Urian mit der anderen Hand nach dem Müller griff fuhr er dabei unversehens in den Rosenstrauch und stach sich an den Dornen. Er ließ vor Schreck die Mühle fallen und machte noch einen falschen Schritt, weil er über den Eckeberg gestolpert war und so fällt die Mühle bis nach Ravolzhausen an den Abhang des Eckeberges wo sie heute noch liegt und jetzt Untermühle genannt wird. Den Obermüller zerriss er vor Wut in der Luft.

Nicht weit von der Borngasse stehen einsam in einem Garten zwei uralte Krählingsbäume. Wer in der Nacht vorbeigeht hört es stöhnen, wehklagen und oben in den Zweigen wispern. Das ist die Seele von dem harten Müller, der keine Ruhe findet und seine Kinder um Vergebung anfleht. Sonntagskinder können diese erlösen indem sie an Walpurgis um Mitternacht drei Paternoster unter diesen Bäumen beten, dann gehören ihnen auch alle Schätze die im Mühlengarten vergraben sind.

Der Wassergeist in der Kinzig

Aus dem Hessischen Sagenbuch

Bei Hanau ist ein Arm der Kinzig, der keinen Abfluss hat. Er wird darum "Die tote Kinzig" genannt. Auf ihrem Grunde wachsen große Blätter hervor, die auf der Oberfläche des Wassers schwimmen und dazwischen große gelbe Blumen. Es ist die gelbe Teichrose oder das Nixenkraut. Es heißt, man zähle so viele Blätter, als die Kinzig schon Opfer gefordert hat. Denn in jedem Jahr, müsse ein Mensch darin ertrinken oder aber das Wasser müsse einen Laib Brot und ein Mässchen Salz erhalten. Damit versöhne man den Geist, der in dem Wasser wohnt. Wird die Gabe unterlassen, so ruft es zu Ende des Jahres aus dem Flusse: "Die Zeit ist um, der Mensch ist noch nicht da!" Und bald darauf ertrinkt jemand in der Kinzig.