Der alte Brunnen in der nach ihm benannten Brunnenstraße in Langendiebach wird schon seit alter Zeit volkstümlich „Trinkborn“ genannt.

Auf dem Brunnenaufbau sieht man die Jahreszahl 1699 und das alte Langendiebacher Wappen. Diese Jahreszahl ist sicher das Datum, an dem einst der Brunnen hier angelegt wurde.

In seiner Heimatschrift meint Wilhelm H. Traxel, daß der "Trinkborn" in der Brunnenstraße der einzige öffentliche Brunnen im Dorfe war. Alle größeren Anwesen hätten einen meist am Toreingang gelegenen eigenen Brunnen gehabt, so Wilhelm H. Traxel. Durch den Bau der Wasserleitung im Jahr 1922 wurden schließlich alle Brunnen überflüssig.

Der Bau des Brunnens ist eng mit dem Wiederaufbau Langendiebachs nach dem Dreißigjährigen Krieg verbunden. Im Jahre 1699 lag dieser Krieg gut 50 Jahre zurück und, wie mehrere Orte in der näheren und weiteren Umgebung, hatte auch Langendiebach in diesem Krieg sehr gelitten. Heinrich Heusohn zitiert in seinem Aufsatz „Geschichtliches über Langendiebach“ einen Bericht aus dem Jahre 1635, der das damalige Leiden von Langendiebach eindrücklich schildert: "In diesem Dorfe und daherum haben sich die kaiserliche und spanische Armee bei der ersten Ankunft einlogiert, über das dritte Teil des Dorfes weggebrannt und in Asche gebrannt, und sonst alles ruiniert, was hernach an Vieh, Früchten und Fütterung übrig gewesen, ist hiernach von beyderseits Kriegsvolk vollends geholt worden, also dieser Fleck vollend verderbt."

Brunnenschmuck zum Osterfest

Nach Heinrich Heusohn waren auch um diese Zeit, als Hanau von kaiserlichen Truppen unter General Lamboy belagert war (1635-1636), die Einwohner von Langendiebach größtenteils nach Hanau geflüchtet. Die furchtbare Hinterlassenschaft des Dreißigjährigen Krieges ist auch aus einem Aufsatz von G. Maidfeld zu ersehen, wonach Langendiebach „im Jahre 1700 wohl 149 Häuser, aber erst wieder 186 Einwohner hatte".

Nach einer anderen Notiz warb Johann Ludwig von Isenburg- Birstein Fremde, darunter auch Familien aus der Schweiz durch Landwerber an um das nach dem Krieg verödete Langendiebach wieder auszubauen. Nach diesem Bericht erbauten diese aus Dankbarkeit den alten Brunnen. Einige Häuser mit Jahreszahlen aus den beiden letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts bestätigen diesen damaligen Wiederaufbau. Wenn diese Aufzeichnungen also stimmen, so ist der „Trinkborn“ auch ein Symbol des Wiederaufbaues nach dem Dreißigjährigen Krieg in Langendiebach.

Im Jahre 1999 hatte der Obst- und Gartenbauverein den Brunnen zusammen mit den Kindergärten erstmals als Osterbrunnen geschmückt. Auf diesem Bild sehen Sie den Brunnen im Jahre 1999. Der 300ste „Geburtstag“ des Brunnens wurde gebührend gefeiert. So trugen, neben den lobenden Worten zu dem lebensspendendem Wasser durch den Geschichtsverein Erlensee e.V., die Sängervereinigung und der Liederkranz vor dem geschmückten Brunnen einige Lieder vor. Für Kaffee und Kuchen sorgte der Obst- und Gartenbauverein. Der geschmückte Brunnen war dann über die Osterfeiertage zu bewundern.