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 Geschichtsverein Erlensee e.V. 

Die Mühlen

In alter Zeit gab es verschiedene Mühlen, um Früchte zu mahlen und Rohstoffe herzustellen. Es gab Getreide- und Tabak-, Schleif- und Gerbermühlen. Diese wurden von Menschen oder Tieren, aber auch von Wind oder Wasser angetrieben. In Langendiebach und Rückingen gab es früher einige Wassermühlen, die allesamt unterschlägige Mühlen gewesen sind. Diese Mühlen standen am Fluss oder an Bachläufen. Die Mühlräder wurden durch den Wasserfluss angetrieben. In Langendiebach und Rückingen wurden die folgenden Mühlen betrieben:

Die Reußerhofmühle in Langendiebach
Die Untermühle in Langendiebach
Die Rückinger Mühle

Die Reußerhofmühle in Langendiebach
Im Jahr 1593 ließ Graf Philipp von Isenburg-Büdingen auf dem Gelände des Reußerhofs eine Mühle errichten. Anfangs sollte sie Eichenrinde zermahlen, die teuer an Gerber verkauft werden konnte. Doch das Geschäft mit pflanzlichen Gerbmitteln wollte nicht recht anlaufen, weshalb man sich bald mit dem Mahlen des in der Zehntscheune eingelagerten Getreides begnügte. In den Folgejahren hatten verschiedene Müller die Mühle zur Pacht. 1610 fragte ein Löher namens Johann Wentzell beim Grafen an, ob er die Mühle als Lohmühle betreiben darf. Er habe für seine Arbeit bislang notgedrungen „Scheinds Schleifmühle“ benutzt, wobei nicht bekannt ist, ob diese Mühle zum Schleifen von Steinen und Metallen in der Gemarkung stand. Rund 80 Jahre später war die Reußerhofmühle bereits vom Erdboden verschwunden und ein wüster Mühlenplatz.
 
Die Untermühle in Langendiebach
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Untermühle in Langendiebach vor 1940

Die Untermühle liegt an einem vom Fallbach abgeleiteten Graben und ist heute noch zu sehen. 1338 ist die Mühle erstmals urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung „Unter“-Mühle benennt ihre Lage innerhalb der Siedlung. Als es noch keine Kartenausrichtung gab, orientierte man sich mit den Begriffen „Oben“ und „Unten“, was den Himmelsrichtungen Süden und Norden entspricht. Die Untermühle lag im Norden von Langendiebach. Eine Steuerliste des Klosters Eberbach im Rheingau nennt Einkünfte aus Ravolzhausen und Langendiebach, worin von einem „halben Acker Wiesen neben der Obermühle“ die Rede ist. Die Aufzählung beginnt in Ravolzhausen, weshalb die Mühle dort völlig zu Recht als Obermühle ausgewiesen ist. 1584 wird erstmals ein Müller namens Hannß Happ auf der Untermühle bekannt, weil dieser sich über die Abgabenbelastung der „geringen Mulln“ beschwerte. Die Mühle war im Besitz seiner Schwiegereltern 1593 wird der Müller Conradt für drei Jahre auf der Mühle erwähnt, 1599 ein Müller Balthasar Schenk und 1601 ein Hans Has. Über das Schicksal der Mühle im Dreißigjährigen Krieg ist nichts bekannt. 1652 übernahm der Müller Johannes Ehrlicher die Mühle, die er im Tausch mit Grundstücken von Peter Kißling erworben hatte. In den 1680er Jahren wird Johann Christoph Fabricius von Westerfeldt als Eigentümer der Untermühle erwähnt. Der Regierungsrat der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hat die Mühle nicht selbst betrieben. Pächter um 1690 war Johannes Böppler aus Freiensteinau. Die Witwe des 1689 verstorbenen J. C. Fabricius, Frau Philippina Elisabeth Fabricius von Westerfeldt, trat die Mühle am 5. 10. 1700 an den Grafen Wilhelm Moritz von Isenburg für 1200 Gulden ab. Das Haus Isenburg verpachtete die Mühle für sechs weitere Jahre an den vorher erwähnten Müller. Am 1. 4. 1704 wurde der Pachtvertrag mit Böppler in ein Erblehen umgewandelt.

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Die Untermühle mit dem ehemaligen Mühlengraben (links) im Winter 2006

An jährliche Abgaben hatte z.B. der Müller Böppler zu leisten:
 - an die Herrschaft “30 Achtel Korn“ [1 Achtel Frankfurter Getreidemaß = 115 Liter,
   Anm. d. Verf.]
 - an die Reformierte Schule in Hanau “1 Achtel Korn“
 - an den Amtmann oder Schultheiß von Langendiebach “1 Achtel Korn und 22 ½ alb an
   gelt“ [alb(bus) = Rechnungsmünze des Alten Reichs, Anm. d. Verf.]
 - an die Pfarrei in Langendiebach “2 Achtel Korn und 7 ½ alb an gelt“
 - an das Kloster Meerholz “1 Achtel Korn“
 - an die Schäferei Rüdingheim “½ alb Achtel Korn und 1 fl 5 alb“ [fl = Abkürzung für
   Gulden, Anm. d. Verf.]
 - an das Engelthaler Kloster “2 Sechter Korn“ [1 Sechter = 7,1 Liter, Anm. d. Verf.]

Gleichzeitig mit der Vererbleihung wurde auch die Bannpflicht für die Untermühle und die Blinkenmühle (in Ravolzhausen) neu geregelt. Ein Viertel der Bewohner von Langendiebach und von Ravolzhausen kamen jeweils im Wechsel zur Untermühle. Die anderen drei Viertel zur Blinkenmühle. Von der Gemeinde Langendiebach wurde 1745 die Auffassung vertreten, dass die Mühle erst mit dem Verkauf an das Haus Isenburg 1700/1704, eine herrschaftliche Mühle wurde. 1711 veräußerte Böppler die Mühle an seinen Schwiegersohn Caspar Hanßen von Bruchköbel für 1.000 Gulden. Dieser wiederum überließ sie 1742 seinem Schwiegersohn Conrad Ditter aus Schlüchtern. Der Wert der Mühle war damals mit 1.600 Gulden veranschlagt. Rund einhundertundzehn Jahre später zahlte die Familie als Entschädigung für die abgelöste Wasserpacht einen Betrag von 3.179 Gulden und 45 Kreuzern. Die Untermühle ist seit 1951 stillgelegt. Bis heute ist das Anwesen (auch durch Einheirat) in den Händen der Müllerfamilie Ditter, heute Kirchner, geblieben.

Die Rückinger Mühle
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Die Rückinger Mühle Mühle in Rückingen vor 1900

Die Rückinger Mühle steht in unmittelbarer Nähe der alten Kinzigbrücke am Ortsausgang Richtung Rodenbach. Es soll bereits im 14. Jahrhundert an gleicher Stelle eine Mühle gestanden haben, aber Beweise gibt es keine. Es ist zu vermuten, dass der heutige Kinziglauf damals der künstlich angelegte Graben zur Mühle war. Der Zulauf des Wassers zur Mühle musste geregelt werden und so wurden Mühlen nicht direkt an einem Bach oder Flusslauf gebaut. Hochwasser und starke Strömung haben eine zerstörerische Wirkung, wenn sie ungelenkt auf das System der Mühle losgelassen werden. Eine Reihe von Angaben in den Verzeichnissen und Rechnungen über die „Rückingerischen Geld- und Fruchtgefälle“ befassen sich auch mit Mühlen, geben jedoch keinen eindeutigen Hinweis auf die Existenz der Rückinger Mühlen. Zweifel bestehen nicht, dass die Mühle bereits in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts bestanden hat.

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Südöstliche Ansicht der Mühle in Rückingen aus dem Jahre 1970 

Eine eindeutige Erwähnung der Mühle findet sich 1667, als Johann von Fargel zu Rückingen, Chur-fürstlicher Brandenburgischer Obrist, dem Müller Hans Georg Krembß seine „allhier habende eigentümliche Mühle auf ein Jahr lang“ verliehen hatte. Dem Müller war für dieses Jahr eine Mühlenpacht von umgerechnet etwa 5,8 Tonnen gut gesäubertes Korn auferlegt worden. Aus einem Schreiben des Mahlmüllers Lorentz Schnabels aus dem Jahre 1700 an Herrn Christian Eberhard von Kameytsky, Herr auf Rückingen, ergibt sich, dass Schnabel bereits sechs Jahre die Mühle betrieben und nunmehr – weil ein anderer an Pacht mehr geboten hatte – die Mühle verlassen sollte. Schnabel will nicht nur die Mühle wieder in Ordnung gebracht haben „sondern sie auch zu einer neuen Öl- und Hirsenmühle“ erweitert haben.

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Wehr und Mühle in Rückingen im Jahre 1963 

Aus 1716 liegt eine Nachricht über den schlechten Zustand der Mühle vor, besonders des Fundaments. Auf einem der alten Grabsteine an der Rückinger Kirche steht der Name Johann Peter Kolb, Mühlmeister, geboren 1731.

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Bild der Mühle in Rückingen aus dem Jahre 1988 

Mehrfach klagten die Gemeinden Niederrodenbach und Langendiebach über Überschwemmungen von Wiesen und Äckern in ihrem Gemeindegebiet, so Langendiebach 1723 und Niederrodenbach 1726 und 1727. Ursache war die Erhöhung des Rückinger Wehrs im Jahre 1723. Zu vermerken sind auch Schädigungen durch die Holzflößerei, die anscheinend sehr oft „bei jeder Flößerei“ an der Wehranlage und an den Wasserrädern auftraten (1786 waren 2 zwei Wasserräder mit je 36 Schaufeln vorhanden). Eine Entscheidung zur Verminderung der Schäden erfolgte 1789, wonach die Flößungen nur noch bei mittelmäßigem Wasser erfolgen sollten.

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Brand in der Rückinger Mühle im Juli 1959 

Ende des 18. Jahrhunderts war der Fruchtmühle noch eine Tabakmühle angegliedert. Von 1792 bis etwa 1850 ließ in Rückingen die noch heute existierende Schnupftabak-Firma Bernard (1733 in Offenbach am Main gegründet und seit 1999 im bayerischen Sinzig ansässig) ihre Tabake zermahlen. Drei wasserbetriebene Stampfmühlen hackten den Tabak mit spatenartigen Messern in Kübeln und Kollergänge mahlten ihn fein. Nach 1847 waren vier Mahlwerke vorhanden, wobei zwei zum Mahlen von Getreide verwendet wurden. Das für die damalige Zeit hochtechnisierte Gebäude galt in Unternehmerkreisen als Musterbetrieb.

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Nordansicht der stillgelegten Mühle im Jahre 2006 

Jeweilige Neubauten sind aus 1791 sowie Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Der letztere erfolgt nach einem Brand vom 25. April 1877, bei dem das Mühlengebäude vernichtet wurde. Im Hanauer Anzeiger vom 26. April 1877 ist zu lesen: „Am 25. April um 5 Uhr wurde die Mühle der Herren Schönmeyer und Baumann ein Raub der Flammen. Bei diesem Brand fand ein Rückinger Brandschützer den Tod, er stürzte in die Kinzig und ertrank unter dem Wasserrad.“ Ein weiterer Brand im Jahre 1953 wurde von den Feuerwehren aus Rückingen und Langendiebach, sowie der Fliegerhorstfeuerwehr gelöscht. Ein Großbrand am 24.7.1959 zerstörte die Mühle und das Mahlgut. Alle Maschinen wurden vernichtet. Nach diesem Brand wurde nicht wieder gemahlen.


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Brand in der Rückinger Mühle im Juli 1959 

Vom letzten Müller Otto Boog wurde unter anderem das Mehl Marke „Kinzigstolz“ hergestellt. Die Rückinger Mühle war eine Mahlmühle mit Kraft- und Arbeitsmaschinen. Hauptarbeitsmaschinen waren vier Doppelwalzen und drei einfache Walzen. 1920 wurde das Mühlrad durch eine Francis Schachtturbine ersetzt und die Anlage zur Stromerzeugung ausgebaut. Ab 1925 waren es zwei Schachtturbinen mit einer Leistung von 86 bzw. 87 PS.
Als Technik-Denkmal erzeugt das Turbinenhaus weiterhin Strom für das deutsche Verbundnetz.
Zusammengestellt mit Material aus dem Buch "Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis von Willi Klein, 2003, und dem 2016 veröffentlichen Band der "Geschichte der Stadt Erlensee".
 
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