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 Geschichtsverein Erlensee e.V. 

Der Brunnen

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Der Brunnen mit Handpumpe in Langendiebach (Aufnahme vor 1930)

In der Brunnenstraße zu Langendiebach steht bei einer Linde ein Ziehbrunnen aus dem Jahre 1699, wie es auf seinem von einfachen Pfeilern getragenen Balken vermerkt ist. Im Volksmund ist er als „Trinkborn“ bekannt. Auf der einen Seite seines halbkreisförmigen Aufsatzes ist eine Fächerrosette und auf der anderen ein gespaltenes Isenburger Balkenwappen, von einem Zweigpaar umrankt, in den Sandstein gemeißelt. Das Ganze wird von drei Pinienzapfen bekrönt. Der Brunnentrog wurde in der Vergangenheit mehrfach ausgebessert und erneuert. Ende des 19. Jahrhunderts beispielsweise bekam er eine Handpumpe zur bequemeren Wasserförderung. In seiner Heimatschrift meint Wilhelm H. Traxel, daß der „Trinkborn“ der einzige öffentliche Brunnen im Dorfe war. Alle größeren Anwesen hätten einen meist am Toreingang gelegenen eigenen Brunnen gehabt. Durch den Bau der Wasserleitung im Jahr 1922 wurden schließlich alle Brunnen überflüssig.

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Blick in die Brunnenstraße von Langendiebach

Der Brunnen, 1631 erstmals schriftlich in einer Inventarliste genannt, gehörte zum ehemaligen Langendiebacher Schloss der Grafen von Isenburg-Birstein. Das Schloss stand auf dem Gelände zwischen Ravolzhäuser Straße und Brunnenstraße. In den Jahren 1698/99 wurde es grundlegend erneuert. Es war ein weiträumiger Komplex aus Adelshaus, Stallungen und Werkstätten. Von 1712 bis 1719 diente der Hof dem Grafen Wilhelm Moritz II. als Residenz, später hatte hier die Amtsverwaltung des Gerichts Langendiebach ihren Sitz. Es folgte die Gaststätte „Zum Schwanen“, wobei der Wirtschaftsbetrieb den Verkauf des ungenutzten Geländes als Bauland beförderte. In der Brunnenstraße entstanden die heute vorhandenen Hofreiten, kleine bäuerliche Betriebe, die sich hinter dem Brunnen aufreihen. Um den Brunnen aus der Frühen Neuzeit ranken sich viele Legenden. So verband die frühe Heimatsforschung die Schöpfstelle eng mit dem Wiederaufbau Langendiebachs nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der Ort war während des Krieges zeitweise verlassen worden, viele Einwohner aus Furcht vor den durchziehenden Soldaten in die benachbarte Stadt Hanau geflohen. Die Opfer aufgrund von Seuchen, Fluchten und Hungersnöten waren entsprechend hoch.

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Auf dem Querbalken steht die epigraphische Formel „16 D B 99“ (Historische Aufnahme der Zeit um 1900)

Nach einer anderen Erzählung warb Graf Johann Ludwig von Isenburg-Birstein Fremde, darunter auch Familien aus der Schweiz durch Landwerber an um das nach dem Krieg verödete Langendiebach wieder aufzubauen. Diese sollen aus Dankbarkeit den Brunnen erbaut haben. Anlass für diese Legendbildung bot sicherlich auch die am Brunnen mit einer lateinischen Weiheinschrift angebrachte Jahreszahl „16 D B 99“ (angelehnt an quod Deus Bene vertat – was Gott zum Guten wenden möge!)

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Brunnenschmuck zum Osterfest 1999

Im Jahre 1999 hatte der Obst- und Gartenbauverein den Brunnen zusammen mit den Kindergärten erstmals als Osterbrunnen geschmückt. Auf diesem Bild sehen Sie den festlich dekorierten Brunnen. Der 300ste „Geburtstag“ des Brunnens wurde gebührend gefeiert. So trugen, neben den lobenden Worten zu dem lebensspendendem Wasser durch den Geschichtsverein Erlensee e.V., die Sängervereinigung und der Liederkranz vor dem geschmückten Brunnen einige Lieder vor. Für Kaffee und Kuchen sorgte der Obst- und Gartenbauverein. Der geschmückte Brunnen war dann über die Osterfeiertage zu bewundern.
 







 

 

 

 




 

 

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